Jan van Aken ( MdB)


Herr van Aken, wie lautet Ihr Lebensmotto?

Weltverbessern und Spaß haben.

Ist das Ihr Ernst?

Ganz im Ernst. Das habe ich lebenslang, bei allem was ich mache immer berücksichtigt, auch beispielsweise bei der Auswahl von Jobs. Es gibt ja verschiedene Gründe, weshalb ich jetzt aufhöre und das ist einer. Ich bin positiv überrascht: Wider meiner Erwartung kann man im Bundestag tatsächlich viel erreichen. Die Zeit hier hat sich wirklich gelohnt. Aber das Verhältnis zwischen dem was man erreichen kann und wie es einem persönlich geht, das stimmt einfach nicht. Spaß haben hört sich ja immer etwas salopp an, wie der Typ, der nur an der Theke hängt. Ich denke da mehr so an Freude und auch ein bisschen Lebensqualität zu haben.

Das heißt, dass bei Ihnen die Freude zu kurz kam?

Hier sind es einfach so viele Sitzungen, so viel Zeit, die man mit völlig überflüssigen Sachen verbringt, die aber zu dem Job eines Bundestagsabgeordneten dazu gehören. Das ist unheimlich Kräfte- und Nerven zehrend, dass für mich das Verhältnis nicht stimmt.

Sie haben mal gesagt, dass „einige Sie da richtig hassen“. In welchem Zusammenhang meinen Sie das?

Es gibt eine Szene, die das sehr gut beschreibt. 2013 saß ich während der Sommerpause kurz vor den Wahlen im Euro-Hawk-Untersuchungsausschuss. Es kam die Frage auf, wer Berichterstatter für Die Linke sein wird. Als dann jemand meinen Namen nannte, stöhnte der ganze Saal auf. Ich dachte mir: super, so muss das sein.

Und welches war in der Bundespolitik Ihr schönster Moment?

Im Jahr 2013 gab es diesen Chemiewaffenangriff in Damaskus. Die ganze Welt redete über Chemiewaffen und wir haben die Anfrage gestellt, ob es deutsche Zulieferungen gab und haben es dann über eine ziemlich kluge und geschickte Anfrage herausbekommen. Es hatte auch damit zu tun, dass ich früher in diesem Bereich bei der UNO gearbeitet hatte und mich entsprechend in der Thematik sehr gut auskannte. Drei Tage vor der Bundestagswahl musste uns die Bundesregierung dann schriftlich geben, dass wir in den letzten Jahren tonnenweise Material dahin geliefert hatten, das zur Herstellung von Sarin genutzt werden kann. Das war natürlich eine Bombe. Und das war schon echt ein cooler Moment. Das Timing war ein Zufall, aber es passte natürlich wie Faust aufs Auge so drei Tage vor der Bundestagswahl. Aber das überhaupt rausgefunden zu haben war Hammer.

War das auch im Rahmen, als Ihre Immunität aufgehoben wurde, da Sie anlässlich eines Castor Transportes 2010 zum Schottern aufgerufen hatten?

Da stehe ich voll zu. Ich finde dies nach wie vor sehr sinnvoll investierte 2400 Euro, die ich da als Strafe zahlen musste. Ich bin seit meinem 17. Lebensjahr im Wendland und in Gorleben aktiv. Damals gegen die Wiederaufbereitung. Da stehe ich total zu. Ich finde ziviler Ungehorsam muss in bestimmten Situationen sein und das unterstütze ich auch.

Das hat sicher auch Ihre Street Credibility gestärkt.

Die ist mir sowas von scheiß egal, die Street Credibility.

In den Augen der Anderen

„Jan van Aken und mich verbinden sehr heftige Debatten mit völlig kontroversen Haltungen zu sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit, die dennoch stets von einem äußerst fairen persönlichem Umgang geprägt waren.“

Roderich Kiesewetter (MdB)
Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss